Ventoy – Debian mit Gedächtnis: Persistenten Live-Stick unter Linux Mint einrichten

Wer Teil 1 dieser Serie gelesen hat, weiß inzwischen, was Ventoy kann und warum Debian eine gute Wahl für einen persistenten Live-Stick ist. Jetzt legen wir los. In diesem Post zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du unter Linux Mint einen Debian-Xfce-Stick mit Persistenz erstellst – also einen Stick, der sich deine Änderungen wirklich merkt. [Link zu Post #1]

Dieser Post ist in zwei Abschnitte aufgebaut. Im ersten Teil erstellen wir einen einfachen Live-Stick mit Ventoy – ohne Persistenz, aber in wenigen Minuten. Das ist ein guter Einstieg, um Ventoy kennenzulernen und zu verstehen, was es macht. Im zweiten Teil gehen wir dann den entscheidenden Schritt weiter und richten die Persistenz ein – also das „Gedächtnis”, das dem Stick seinen Namen gibt.

Das Booten vom USB-Stick ist von Gerät zu Gerät unterschiedlich und würde hier den Rahmen sprengen. Als Einstieg hilft eine Google-Suche nach „von USB booten [dein Gerät oder Hersteller]”. Wer ein neueres Gerät mit UEFI hat, sucht zusätzlich nach „Secure Boot deaktivieren” – das ist manchmal nötig.

Abschnitt 1: Einen einfachen Live-Stick erstellen

Das ist der sauberste Weg von Linux aus – in sehr kurzen Worten:

Erstens Ventoy herunterladen von ventoy.net, zweitens den USB-Stick damit formatieren (legt automatisch zwei Partitionen an), drittens die gewünschte Betriebssystem ISO (zum Beispiel Debian) einfach per Drag & Drop auf den Stick kopieren.

Etwas ausführlicher:

Schritt 1: Ventoy herunterladen

Geh auf die Ventoy Release-Seite und lade das aktuelle .tar.gz-Archiv herunter. Direkte Adresse: https://github.com/ventoy/Ventoy/releases.

Wichtig: Die .tar.gz herunterladen – nicht die .iso-Datei! Das wäre für unseren Fall falsch. Zu Zeitpunkt des Erscheinens war Ventoy Release 1.1.10 das aktuelle Release.

Screenshot von Ventoy-Github. Eingerahmt ist der Download der Linux-version.

Schritt 2: Archiv entpacken

Im Dateimanager Doppelklick auf die .tar.gz, dann „Entpacken” wählen und z. B. nach ~/Downloads/ entpacken.

Schritt 3: GUI starten

Per Terminal ins entpackte Verzeichnis wechseln und die GUI starten – das geht in einem Schritt:

cd ~/Downloads/ventoy-1.1.10 && ./VentoyGUI.x86_64

Versionsnummer entsprechend anpassen. Fehlermeldungen beim Start – meist wegen fehlender GTK-Bibliotheken – können ignoriert werden.

Screenshot  von Ventoy2Disk GUI

Schritt 4: USB-Stick formatieren

Sicherstellen, dass der USB-Stick angeschlossen und in der GUI ausgewählt ist. Dann auf „Install…” klicken und zweimal mit OK bestätigen – fertig.

Ventoy - Warnung

Achtung: Alle Daten auf dem Stick werden dabei gelöscht!

Ventoy - Herzlichen Glückwunsch! Ventoy wurde erfolgrich auf dem Gerät instaliert.

Schritt 5: ISO-Datei kopieren

Eventuell muss der USB-Stick einmal entfernt und wieder eingesteckt werden, bevor das USB Gerät “Ventoy” im Datei-Explorer angezeigt wird.

Jetzt die .iso-Datei(en) auf die „Ventoy”-Partition kopieren. Die Anzahl der möglichen ISO-Dateien wird allein durch die Größe des Speicher-Sticks begrenzt.

Beim Booten vom USB-Stick erscheint automatisch ein Auswahlmenü.

Foto vom Auswahlmenü des Ventoy-Boot-Menüs.

Wähle: Boot in normal mode. Die weiteren Einträge im Menü – darunter ‚Boot in grub2 mode’ – sind Kompatibilitätsoptionen für Sonderfälle und für unsere Zwecke nicht relevant.

Foto zeigt Abfrage von Debian 13 Live Boot.

Abschnitt 2: Persistenz einrichten – der Stick bekommt sein Gedächtnis

Damit Debian sich deine Änderungen merkt, braucht es eine sogenannte Persistenz-Datei – eine Art Container auf dem Stick, in dem alle Änderungen gespeichert werden. Und das Schöne: Du brauchst dafür weder das Terminal noch musst du den Stick aus Abschnitt 1 neu partitionieren. Alles läuft über Dateien.

Übersicht über das, was passieren wird:

Wir laden eine fertige Persistenz-Datei herunter, legen sie in einem bestimmten Ordner auf dem Stick ab und erstellen eine kleine Konfigurationsdatei, die Ventoy sagt: „Hey, beim Booten von dieser ISO bitte die Persistenz-Datei aktivieren.” Das war’s.

Schritt 6: Die Persistenz-Datei herunterladen

Ventoy stellt fertige Persistenz-Dateien zum Download bereit – wir müssen also nichts selbst erstellen. Die Datei, die du brauchst, heißt:

persistence_ext4_1GB_persistence.dat.7z

Du findest sie auf der offiziellen Ventoy-Seite unter: https://github.com/ventoy/backend/releases. Die Macher von Ventoy nennen diese Dateien pre-created. Es ist der Punkt 4 auf der generellen Anleitung zu Persistence hier https://www.ventoy.net/en/plugin_persistence.html.

Scrolle dort auf der Seite nach unten zum Abschnitt „Assets” des aktuellen Releases. Die Datei, die wir hier benötigen, heißt images.zip.

Hinweis: Wer mehr Speicherplatz für seine gespeicherten Daten braucht, findet dort auch Varianten mit 2 GB oder 4 GB. Für den Einstieg reicht 1 GB gut aus.

Schritt 7: Datei entpacken

Mach im Dateimanager einen Doppelklick auf die heruntergeladene .7z-Datei und wähle „Entpacken” – zum Beispiel in deinen Downloads-Ordner. Du erhältst danach eine einzelne Datei:

persistence_ext4_1GB_persistence.dat

Das ist unsere Persistenz-Datei. Sie ist jetzt knapp 1 GB groß.

Schritt 8: Ordner auf dem Stick anlegen

Wechsle im Dateimanager auf die Ventoy-Partition des Sticks (sie heißt „Ventoy”). Lege dort einen neuen Ordner an.

ventoy

Achtung: Schreibweise und Groß-/Kleinschreibung müssen exakt so sein, da Ventoy diesen Ordner nach diesem Namen sucht.

Schritt 9: Persistenz-Datei an die richtige Stelle kopieren

Kopiere die entpackte .dat-Datei in den ventoy-Ordner auf dem Stick.

Schritt 10: Die ventoy.json erstellen

Jetzt fehlt noch die Konfigurationsdatei, die Ventoy mitteilt, welche ISO die Persistenz-Datei nutzen soll. Diese Datei heißt ventoy.json und kommt ebenfalls in den ventoy-Ordner auf dem Stick.

Erstelle mit einem Texteditor (zum Beispiel mit dem Editor aus dem Startmenü, mit VSCode oder mit Mousepad unter Xfce) eine neue Datei, benenne sie ventoy.json und kopiere folgenden Inhalt vollständig hinein:

{
"persistence": [
{
"image": "/debian-live-13.4.0-amd64-xfce.iso",
"backend": [
"/ventoy/persistence_ext4_1GB_persistence.dat"
]
}
]
}

Speichere die Datei und lege sie im ventoy-Ordner auf dem Stick ab.

Was macht diese Datei?

Der Eintrag unter `persistence` verknüpft die ISO-Datei mit der Persistenz-Datei. Ventoy fügt beim Booten automatisch den notwendigen Kernel-Parameter hinzu, damit Debian weiß, dass es die Persistenz-Datei nutzen soll.

Deine Ordnerstruktur auf dem Stick sieht letztlich so aus:

Das Bild zeigt die Ordner- und Datei-Struktur des fertigen Sticks.

Wichtig: Debian 13 zeigt im Ventoy-Bootmenü von sich aus keinen separaten Eintrag „Live system with persistence” an – das ist normal. Die Persistenz wird unsichtbar im Hintergrund aktiviert, sobald du die ISO aus dem Bootmenü startest.

Testen – merkt sich der Stick wirklich etwas?

Stecke den Stick an, boote davon und wähle im Ventoy-Menü die Debian-ISO. Wähle im Debian-Bootmenü anschließend „Live system”.

Mach nach dem Start eine kleine, sichtbare Änderung – zum Beispiel:

  • Lege eine Datei auf dem Desktop ab.
  • Ändere das Hintergrundbild.
  • Erstelle einen neuen Ordner im Heimverzeichnis.

Fahre das System danach ordentlich herunter, starte neu – und boote erneut vom Stick. Ist deine Änderung noch da? Dann hat alles geklappt. Herzlichen Glückwunsch: Dein Debian-Stick hat jetzt ein Gedächtnis.

Fazit

Ein persistenter Debian-Xfce-Live-Stick ist schneller eingerichtet, als man denkt – und das ganz ohne Partitionierungstools oder Terminalbefehle. Ventoy übernimmt die schwere Arbeit, die fertige Persistenz-Datei erledigt den Rest.


FAQs

Es werden durch Ventoy keine Partitionen angelegt.

Wenn vorher ein Linux mit dd oder einem ISO-Writer direkt auf den Stick geschrieben wurde, gibt es keine Partitionstabelle – und Ventoy scheitert daran.
Die Lösung ist ein einziger Terminal-Befehl:
sudo wipefs -a /dev/sdX
Dabei sdX durch den tatsächlichen Gerätenamen deines Sticks ersetzen – den siehst du z. B. in „Laufwerke”. Bitte sehr sorgfältig prüfen, dass es wirklich der Stick ist und nicht deine Festplatte!

*Erstellt mit Unterstützung von Le Chat und Claude (KI-Assistenten)*

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